Lieber Gott, ich weiss, Du hast viel zu tun, nicht nur zu dieser Jahreszeit. Deswegen bin ich extra nicht an den Stunden vorbeigekommen, wo Dein Haus besonders voll ist, sondern sitze jetzt hier. Alleine mit meinen Gedanken und allein mit Dir. Und ich muss Dir ehrlich sagen, ich bin ein bisschen ratlos, hilflos und sogar ein bisschen verzweifelt.

Unsere Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein, eine Katastrophe hat die andere gejagt, uns blieb ja keine Zeit zum Luftholen. Und viele Meinschen scheinen nicht zu wissen, oder es vergessen zu haben,  warum  wir eigentlich Feste wie Weihnachten, oder Ostern feiern. Nämlich als Erinnerung an den Geburtstag Deines Sohnes, der in einem Stall nackt und bloss auf die Welt gekommen ist und so auch wieder von dieser Welt gehen musste.

Jetzt frage ich Dich: Wollte denn Dein Sohn nicht Frieden und Versöhnung bringen und den Mächtigen der Welt nicht mit dem Schwert den rechten Weg weisen, sondern mit seinem Wort? Mit dem Aufruf zu Versöhnung, Barmherzigkeit, Mitmenschlichkeit und zur Solidarität mit den Schwachen und Ausgestossenen der Gesellschaft. Und dies als einfacher Mensch, als Gleicher unter Gleichen, ohne irgendwelche Ansprüche und Begehrlichkeiten.

Wie kann es aber sein, dass heute anscheinend so viele Menschen seine Botschaft nicht mehr kennen, oder einfach ignorieren? Immer noch egoistisch aus ihrem eigenen Leben das meiste herausholen wollen, ohne Rücksicht auf andere Lebewesen und die Natur. Lieber dem „Götzen“ von Geld und Luxus dienen, als sich um andere Menschen kümmern und nicht mit dem zufrieden sind, was sie haben. Zum Beispiel mit einer erfüllenden Beziehung, einem sinnvollen Beruf, Gesundheit und einem Leben in einer lebenswerten Umgebung.

Kannst Du mir vor allem erklären, warum immer noch Krieg und Terror herrschen, sich Menschen in die Luft sprengen, oder mit Lastwagen unschuldige Menschen einfach so töten?  Und dann auch noch die An- und Verführer der Mörder behaupten, sie haben dies alles in Deinem Namen getan. Auch wenn sie Deinen Namen anders aussprechen, aber es gibt ja nur Dich als den einen und einzigen Gott. Was sollen wir den verzweifelten Opfern der Angehörigen sagen, wenn sie danach fragen, warum es gerade sie getroffen hat, wo Du warst und warum Du es zugelassen hast?

Mir gehen auch die Antworten aus, wenn ich sehe, wie andere Menschen immer wütender werden und diese Wut in Hass umschlägt. Und dieser Hass dann vielleicht wieder in Gewalt gegen andere Menschen endet. Gegen Menschen, die vor Krieg und Terror zu uns geflohen sind, Schutz suchen und einfach ihr Leben ebenfalls in Ruhe und Frieden leben wollen. Hier scheint das Wort Deines Sohnes, dass man „seinen Nächsten so lieben soll, wie sich selber“ nicht zu fruchten. Entweder, die wütenden Menschen finden tatsächlich keinen Grund, sich selbst zu lieben, oder sie kennen einfach Deinen Sohn und seine Bitte nicht. Wer sollte es ihnen auch beigebracht haben? Ihre Eltern, Lehrer, Ausbilder, Verantwortliche in der Gesellschaft und in der Politik? Von denen viele jeden Tag um ihr eigenes Überleben kämpfen müssen und denen deswegen oft andere Menschen auch egal sind?

Toll wäre es natürlich, wenn Du uns ein Zeichen schicken könntest, dass es Dich noch gibt, dass wir Dir nicht ganz egal sind und dass wir doch noch hoffen können. Irgendwie so ein Wunder, wie das mit dem „Brennenden Dornbusch“ in der Wüste, oder das mit Moses und dem geteilten Meer. Auch so etwas wäre cool, wie Dein Sohn bei der Hochzeit in Kana fabriziert hat, als er Wasser in Wein verwandelte. Es würde auch schon „Wasser in Bier“ genügen, oder irgendetwas mit Sport, am besten Fußball. Vielleicht, dass der HSV Deutscher Fußball-Meister wird, oder die „Lilien“ aus Darmstadt tatsächlich die Klasse halten. Wenn Du Dich in Politik ein bisschen auskennst, könntest Du ja auch ein Wunder bewirken und der Partei Deines Erzengels (nein, nicht von Michael oder Rafael, von dem anderen, der Maria die frohe Botschaft überbracht hat) bei der nächsten Wahl über 30% bescheren. Aber ich vermute, Fußball und Politik sind nicht so Dein Spezialgebiet und auf solche Wunder werden wir deswegen noch lange warten können.

Und natürlich hast Du recht, dass Du Dich nicht um alles kümmern kannst. Wir für unser Leben und für unsere Welt selbst verantwortlich sind und diese Verantwortung nicht auf andere abschieben können. Dass nicht Du uns verlassen hast, sondern viele Menschen sich von Dir einfach immer mehr entfernt, oder sich auf dem Weg zu Dir verirrt haben. Vielleicht auch, weil es manchen einfach zu unbequem ist, mit dem „Nicht stehlen, nicht lügen und nicht betrügen“. Sich an Gesetze zu halten und rücksichtsvoll mit dem Nächsten und der Natur umzugehen. Ein erster Schritt zur Umkehr und zum Weg zu Dir könnte ja sein, dass wir in unserem eigenen Umfeld dafür sorgen, dass „Friede“ einkehrt und dass wir miteinander vernünftig umgehen. Mit Achtsamkeit, Respekt und Wertschätzung. Wir uns wieder mehr Zeit für unsere Kinder, unsere Familie nehmen und für die Menschen, die uns lieb und wichtig sind. Einfach mit gutem Beispiel vorangehen, auch wenn es manchmal schwierig und mühselig ist.

Eigentlich weiss ich das alles, vergesse es aber oft genug. Deswegen ist es immer gut, wenn ich mit Dir reden kann, denn dann fällt es mir immer wieder ein. Auch, dass wir als Menschen nicht perfekt sind, aber auch nicht zu schnell dem „Bösen“ in uns nachgeben, oder diese Perfektion auch nicht von anderen verlangen sollten. Dass „Auge um Auge“ nur bedeutet, dass am Ende die ganze Welt blind sein wird. Dies hat ja auch Mahatma Gandhi gesagt. Und dass am Schluss unser Schicksal sowieso vorbestimmt ist und in Deiner Hand liegt.

Gott sei Dank habe ich mit Dir jemanden gefunden, mit dem ich in Ruhe reden kann. Auch wenn es oft ein sehr einseitiges Gespräch ist.

 

P.S.: Aber vielleicht denkst Du bei Gelegenheit doch noch einmal über ein Wunder und ein Zeichen nach. Egal, ob mit dem HSV, den „Lilien“ oder mit dem „Erzengel“…  :-))