„Ein Beispiel zu geben ist nicht die wichtigste Art, wie man andere beeinflusst, sondern die einzige!“ Mit dieser Lebensweisheit von Albert Schweitzer hatte ich den ersten Teil meiner Gedanken über ein echtes VORBILD eingeleitet. Über Menschen, an dem man sich orientieren kann und denen man gerne nacheifern möchte. Dabei hatte ich die ersten „Buchstaben“ von einem VOR-BILD mit Verantwortung (geben und übernehmen), Vertrauen, Offenheit und Orientierung, sowie Respekt im persönlichen Umgang „übersetzt“.   Hier kommt der zweite Teil meiner Beobachtungen und die Beschreibung der noch fehlenden „Buchstaben“:

B wie Bescheidenheit und Berechenbarkeit

„Aus wirtschaftlichen Zwängen müssen wir Kosten sparen, deswegen sind ab sofort Dienstreisen auch nach Übersee nur noch in der Touristenklasse gestattet“. Wer kennt sie nicht, diese „Sonntagsreden“ von Unternehmenslenkern, wenn Umsätze einbrechen und die Kosten aus dem Ruder laufen. Der Vorstand fliegt aber natürlich weiterhin First Class und übernachtet wie gewohnt in der Luxus-Suite. Während es sich der normale Angestellte nach einem 8-Stunden-Flug in der „Holzklasse“ zum Ausruhen im einfachen Bed & Breakfast-Hotel „bequem“ machen darf.  Viele Verantwortliche von Unternehmen sind sich entweder nicht bewusst, wie sich ihr Verhalten auf das Engagement ihrer Mitarbeiter/innen auswirkt, oder es ist ihnen schlichtweg egal. Dass damit automatisch die emotionale Bindung an den Arbeitgeber verloren geht, sich viele Beschäftigte sogar in die innere Kündigung zurückziehen und nur noch Dienst nach Vorschrift machen, ist die logische Konsequenz. Wenn schon gemeinsam harte Zeiten durchgestanden werden müssen, dann ist das mindeste, was von einer akzeptierten Führungskraft erwartet werden kann, das gemeinsame Teilen der schmerzhaften Einschnitte. Und nicht der Belegschaft „Wasser predigen“ und selber „Wein trinken“. Dieses Vorleben ist auch Teil von Berechenbarkeit und Authentizität, die zu den Eigenschaften einer akzeptierten Führungskraft gehören. Nichts ist schlimmer und verunsichert die Beteiligten mehr, als wenn ein Vorgesetzter einen nicht nachvollziehbaren „Zick-Zack-Kurs“ fährt, gar keine, oder willkürliche und nicht nachvollziehbare Entscheidungen trifft. Diese Handlungsweise lähmt die Organisation, verhindert selbstständiges Denken und die Übernahme von Verantwortungen und notwendiges Vertrauen geht verloren. Mitarbeiter/innen müssen sich auf Absprachen verlassen können, nur so kann Höchstleistung mit und im Team erbracht werden.

I nformieren und Integrität

„Geben Sie Ihren Mitarbeitern Arbeit, bei der sie ihre Fähigkeiten voll ausschöpfen müssen. Geben Sie ihnen alle notwendigen Informationen. Erläutern Sie ihnen klipp und klar, was es zu erreichen gilt. Und dann – lassen Sie sie in Ruhe!“ Auch wenn dieses “in Ruhe lassen“ gerade bei jungen Menschen, die oft auch unsicher sind, manchmal schwer fällt, hat die Empfehlung von R. Waterman (Amerikanischer Unternehmensberater) schon viel Wahrheitsgehalt in sich. Je besser die zu erledigenden Aufgaben erklärt und je mehr Informationen dazu bereit gestellt werden, umso weniger Missverständnisse gibt es und umso sicherer fühlen sich die Betroffenen.  Und wenn man als Führungskraft die Verantwortung für diese jungen Menschen hat, gilt natürlich das bewährte Prinzip: Fördern durch Fordern! Vom Einfachen zum Schwierigen, Erklären, Vormachen, Üben lassen und eventuell Eingreifen und Korrigieren. Dabei konstruktive Vorschläge zur Verbesserung geben und zum erneuten Üben anspornen. So führt man Talente an neue oder schwierige Aufgaben heran, gibt ihnen Selbstvertrauen und verbessert deren Leistung.

„Wenn man sich die ursprüngliche Herkunft (lateinisch „integritas“) und Übersetzung (anständig und ehrlich) des Wortes Integrität vor Augen führt, kommt man nicht nur beim Handeln von Repräsentanten der FIFA, von Unternehmen oder aus der Finanzwirtschaft ins Grübeln. Führungskräfte, egal in welcher Funktion oder bei welcher Organisation, müssen sich immer bewusst sein, dass sie an dieser Integrität gemessen werden. Von der Gesellschaft, von ihren Geschäftspartnern und natürlich von ihrer eigenen Belegschaft. Menschen fällt es aber anscheinend immer schwerer, die Wahrheit zu sagen, weil sie entweder persönliche Vorteile behalten, oder entsprechende Nachteile vermeiden wollen. Genauso verhält es sich mit Manipulieren und Täuschen, von Stehlen ganz zu schweigen. Die entsprechende Hemmschwelle wird immer kleiner, der Weg von „Schwarzfahren“ oder Falsch Parken zu Steuerhinterziehung, gefälschten Doktor-Arbeiten, oder manipulierten Abgaswerten wird immer kürzer.

Auch weil es zu viele negative und zu wenige positive Beispiele gibt, sind Menschen in Führungspositionen ganz besonders gefordert, die in Vergessenheit geratene Tugend der Ehrlichkeit vorzuleben und einzufordern. Und wenn man Aufträge nur durch gesetzeswidrige Schmiergelder gewinnen kann, sollen Ausreden wie „das macht aber unsere Konkurrenz genauso“ meistens nur von eigener Unfähigkeit oder von Schwächen im eigenen Produkt-Angebot ablenken.

L oben und Lachen

Menschen, egal auf dem Platz oder im Büro, arbeiten zwar für Geld, aber nicht ausschließlich. Der Wunsch etwas Besonderes zu erreichen, Stolz auf seine eigene Leistung zu sein und Beachtung zu finden, treibt Menschen oft mehr an, als nur das normale Monatsgehalt. Deswegen kostet ein ehrlich gemeintes, verdientes Lob nicht nur kein Geld, sondern wird auch vom Gegenüber erwartet. Es spornt sowohl den direkt Gemeinten zu weiterem Einsatz an, als auch die anderen Teammitglieder und wird mit entsprechender Leistung zurückgezahlt. Und zu einem tollen Betriebsklima muss man als Führungskraft ja nicht jeden Tag den „Pausen-Clown“ geben. Aber mit gemeinsamen Aktivitäten Spaß haben und ein herzhaftes Lachen (auch über einen selber) dürfen schon auch sein.

D = Disziplin und Demut

Diese Eigenschaften scheinen etwas aus der Mode gekommen zu sein. Dabei sollten sich vor allem die Verantwortlichen in Spitzenpositionen täglich vor Augen führen, wem sie denn eigentlich diesen Erfolg zu verdanken haben. In vielen Fällen ist dies nämlich oft nur Glueck (zur richtigen Zeit am richtigen Fleck), oder das berühmt-berüchtigte Vitamin-B (Beziehungen). Das tägliche Vorleben, dass es „ohne Fleiß keinen Preis“ gibt, sollte selbstverständlich sein, gerade in einer Führungsposition. Gemeinsam Spaß haben ist die eine Sache, aber konsequent, diszipliniert und engagiert seine gestellten Aufgaben erledigen die andere. Natürlich bedeutet dies auch, dass man die geforderte Disziplin und den entsprechenden Einsatz selber auch vorlebt. Morgens der Erste und abends der Letzte sein. Sich für seine Mannschaft, für die besten Arbeitsbedingungen, die benötigten Ressourcen und zugesagten Budgets einsetzen und das Team bei Rückschlägen nicht im Regen stehen lassen. So lebt man die Erwartungen vor und wird als echte Führungspersönlichkeit akzeptiert.

„Stehe an der Spitze, um zu dienen, nicht, um zu herrschen!“

Und wenn wir über Demut sprechen, dann beschreibt vielleicht die Empfehlung von Bernhard von Clairvaux (französischer Zisterzienser-Abt und Theologe) nicht nur diese besondere Eigenschaft, sondern vielleicht auch das gesamte Verhalten von einem echten VORBILD…