Wieder mal ein „Herzschlag-Finale“ in der Bundesliga und wieder haben nicht gerade „arme“ Vereine (besser: „Fußball-Unternehmen“), wie Bayer Leverkusen oder Schalke 04, hochtrabende Ziele verfehlt und sogar um den Klassenerhalt zittern müssen. Und mit dem VfL aus Wolfsburg muss jetzt sogar ein Team in die Relegation, dass vor zwei Jahren noch Deutscher Pokalsieger wurde.

Wie konnte dies passieren, warum haben es auf der anderen Seite die „Geißböcke“ aus Köln in die Internationalen Plätze geschafft? Und warum spielte der „Nobody“ und Aufsteiger aus der 2. Liga, der SC Freiburg, eine überragende Saison, bei deutlich geringeren finanziellen Mitteln als die „Elite“ der Liga?

Schießt Geld wirklich Tore?

All diese Fragen werden von den jeweiligen Fans leidenschaftlich und auch kontrovers diskutiert und oft genug hört man, dass Geld tatsächlich Tore schießen kann. Natürlich ist „ohne Moos“ nicht viel los und natürlich hängt sportlicher Erfolg auch in gewisser Weise von den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Aber nicht nur. Viel Geld sinnlos ausgeben kann jeder, das ist keine große Kunst. Die Spreu vom Weizen trennt sich jedoch bei dem Anstreben von sportlichem Erfolg mit begrenzten Mitteln und ohne sich in finanzielle Abenteuer zu stürzen, die im Zweifel sogar das Ende des jeweiligen „Vereines“ (obwohl wir im Profi-Bereich schon lange von Wirtschaftsunternehmen reden) bedeuten können.

Was wirklich den Unterschied macht

Um langfristig und nachhaltig erfolgreich zu sein, machen eben immer noch die handelnden Menschen den Unterschied. Sowohl „auf dem Platz“ und an der Seitenlinie, als auch in der Geschäftsführung. Gerade zur Vorbereitung der neuen Saison haben die Verantwortlichen (egal ob Kreis-/oder Bundesliga) jetzt die große Chance, sich neu zu positionieren und vielleicht sogar einen kompletten Neuanfang zu wagen. Um gut aufgestellt zu sein, reicht es jedoch nicht aus, fünf neue Spieler zu verpflichten, den Trainer zu wechseln, oder einen Satz neuer Trikots zu kaufen.

Gefangen im Teufelskreis

Gefangen in dem Teufelskreis von immer höheren Ansprüchen der Spieler, Fans und Sponsoren, den finanziellen Engpässen und dem Bedarf an qualifiziertem Personal, hilft hier die generelle Erkenntnis, dass „Vorher Überlegen nachher überlegen macht“! Und bei diesem Überlegen und anschließenden Handeln kann man tatsächlich von den Kölnern und den Freiburgern  einiges lernen, zum Beispiel:

  • Erkennen der eigenen (des Vereines) Identität, Wurzeln, Stärken und Möglichkeiten.
  • Entwickeln einer eigenständigen Philosophie (wofür steht der Verein) und eines entsprechenden Leitbildes.
  • Setzen auf das „wahre Kapital“ eines Vereines. Nämlich auf die Leidenschaft und Treue der Fans und die hundertprozentige Identifikation aller „Angestellten“ (Spieler, Betreuer, Trainer,…) mit ihrem Arbeitgeber. Und ganz speziell auf den eigenen Nachwuchs!!
  • Vermeiden von finanziellen Abenteuern und Abhängigkeiten. Besonders die Abhängigkeit von dubiosen Sponsoren und/oder Kreditgebern (schöne Grüße an die Münchner „Löwen“!), die Einfluss auf die Vereinspolitik haben wollen und bei Misserfolg meist einen Scherbenhaufen hinterlassen.
  • Setzen von ehrgeizigen, aber realistischen Zielen.
  • Anstreben von sportlichem Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Und vor allem nicht mit dem Risiko, seine eigene Identität zu verlieren und die Existenz des Vereines aufs Spiel zu setzen
  • Schaffen eines attraktiven Umfeldes (Infrastruktur, …) und einer Atmosphäre, in der sich die Spieler wohl fühlen.
  • Teamgeist im Verein: Alle unterschiedlichen Interessengruppen (z.B. Fans, Vorstand, Sponsoren, Spieler, Trainer Mitglieder,..) identifizieren sich mit der Vereins-Philosophie und den gesetzten Zielen. Keine Machtkämpfe und Eifersüchteleien in der Führungsetage, kein zu schnelles und hektisches Reagieren auf Misserfolge.
  • Hoher Fokus auf die Besetzung von Trainer-Positionen, ganz speziell im Jugend-Bereich. Dabei ist neben der fachlichen Kompetenz vor allem eine entsprechende Qualität in Menschenführung unabdingbare Voraussetzung.

Zusammengefasst: Ein schlüssiges Konzept, fachliche Kompetenz und Zusammenhalt in der (Führungs-) Mannschaft, sowie Konsequenz in der Umsetzung sind meistens besser als nur viel „Kohle“. Nicht nur bei den erwähnten Beispielen aus der 1. Liga und auch nicht nur beim Fußball. Sondern bei allen Organisationen, bei denen Menschen aufeinander angewiesen sind und nur gemeinsam entsprechende Ziele erreichen können. Und all denjenigen, die auf dem Abstiegsplatz gelandet sind, hilft vielleicht die Aufmunterung von „Ösi-Bomber“ Toni Polster:  „Dass echte Fans niemals absteigen, sondern höchstens die Liga wechseln…“