Und werden Sie damit doch endlich der oder die, der Sie wirklich sind. Dies empfiehlt meine Gast-Autorin Martin Lackner*, die zwar anscheinend kleinere Probleme mit dem Einparken hat, aber auch genau weiss, warum dies so ist. Und wie man (Frau) nicht nur dieses Problem einfach lösen kann… :-))

„Vor einigen Wochen schreibt mir meine Vollkaskoversicherung, ob ich denn wüsste, wie meine vielen Schäden an meinem Auto zustande gekommen sind. Woher wohl? Vermutlich bin ich absichtlich mehrmals in Parkgaragen gegen Pfeiler, Schilder und Schranken gefahren. Hat mir riesigen Spaß gemacht, wollte ich in einem Telefonat der Sachbearbeiterin der Versicherung noch patzig antworten. Habe ich  natürlich alles mit Absicht gemacht, auch diesen Satz habe ich nur gedacht. Nein, ich bin ja gut erzogen, habe der Dame dann erklärt, dass mein Auto viel zu groß und zu breit sei, und für Tiefgaragen schlicht nicht geeignet. Wir haben uns daraufhin geeinigt, dass ich den Rest meiner Leasinglaufzeit sorgsam mit meinem Fahrzeug umgehen würde. Als ob ich vorher sorglos gewesen wäre, aber irgendwie musste ich mein Gegenüber ja besänftigen.

Mehr Schein als Sein

Wieso fährt man eigentlich so ein Riesending, wenn Frau damit nicht fahren kann, fragte mich mein Anwalt, den ich in dieser Angelegenheit um Rat gebeten hatte. Warum nur, sehr gute Frage! Vermutlich, weil alle erfolgreichen Menschen Autos fahren, die aussehen wie Raketenabschussrampen, zumindest vom Platz her, den sie auf der Strasse und auf dem Parkplatz  brauchen. Die in keine Tiefgaragen passen, weil man (in diesem Fall Mann und Frau) zwischen Säule und dem nächsten Auto nur reinkommt, wenn man das Nachbarauto zur Seite schiebt, was regelmäßig zu Schweißausbrüchen und Herzflattern führt, und eine Menge Geld kostet, egal ob gekauft oder geleast. Und das alles nur um Kollegen , Freunden und Nachbarn zu zeigen: Ich habe es geschafft! Dann erkläre ich meinem Anwalt noch, dass es mir jetzt reicht und ich auf einen Kleinwagen und auf Elektromobilität umsteige. Worauf er meint, dass dies keine gute Idee sei, was werden wohl meine Kunden denken, wenn ich mit so einem Hauch von nix vorgefahren käme. Da war es wieder: Damit man mir meinen Erfolg abnimmt, muss ich ein Auto fahren, das ich nicht beherrsche, in Tiefgaragen parken, in denen mein Auto gar keinen Platz hat und Drohbriefe von Versicherungen in Empfang nehmen, die mir unterstellen, ich hätte einen sorglosen Umgang mit meinem Auto. Wie skurril  ist das denn?

Ich könnte Ihnen jetzt noch erzählen, warum Männer sich Hugo Boss Anzüge kaufen , Frauen in Führungspositionen auf Taschen von Prada stehen, warum wir auf Facebook liebend gerne Urlaubsfotos posten und das Thema Eigenmarketing zum Standardrepertoire jeder Führungskraft gehört. Egal, ob uns das alles gefällt oder nicht, wenn wir dazugehören wollen, müssen wir mit den „Wölfen heulen“ und anders sein, als wir es bisher waren. Meinen wir. Und natürlich dazugehören, aber  zu wem eigentlich? Zur Elite? Zum Rotary oder Golf Club? Zum örtlichen Tennisverein? Oder nur zum Kegelclub? Oder wir Frauen endlich zu den Vorstandsetagen?

Wir werden alle manipuliert

Unternehmen, Medien und die Gesellschaft suggerieren uns, dass wir nur erfolgreich sein werden, wenn wir uns  anpassen. So sind, wie uns der Chef, das Unternehmen, unsere Kunden oder wer auch immer uns haben wollen, und das täglich und konsequent. Vom richtigen Bewerbungsschreiben, über Fragen, die man beim Vorstellungsgespräch nicht stellen sollte, die Kinder, die man nicht bekommen darf, damit die Karriere klappt und dem für die Karriere hilfreichen Netzwerk. Den richtigen Zeitpunkt für eine berufliche Veränderung  nicht zu vergessen, weil zu viele Wechsel Misstrauen erzeugen, kein Wechsel aber genauso viel.

Warum machen wir das alles mit?

Wir alle haben Angst. Angst vor Jobverlust, Angst vor Statusverlust, Angst vor Liebesverlust , die Liste können Sie für sich beliebig weiterführen. Und vor allem Angst vor Identitätsverlust. Denn wer bin ich überhaupt noch, wenn ich nicht mehr Chef bin? Wir alle haben uns an Rollen gewöhnt, sodass, wenn man uns eine andere zuteilt, wir damit nicht mehr umgehen können. Schließlich hängt auch noch unser Selbstwert an der Rolle. Dienstwagen, der Grad der Führungsposition, die Anzahl der Mitarbeiter und die Höhe des Bonus geben uns das Gefühl von Wertigkeit. Und damit bin ich jemand in dieser Gesellschaft.

Was wäre, wenn wir zumindest in kleinen Bereichen unseres Lebens aufhören, uns abhängig von der Meinung anderer zu machen? Vielleicht mal eine Bewerbung schreiben, die ganz anders ist, als uns Karriereberater sagen. Vielleicht mal rote Socken zum dunklen Anzug tragen, oder mit einem E-Bike beim Kunden vorfahren.

Und warum sollten Sie das tun?

Weil anders sein Sie zu einer unverwechselbaren, authentischen Marke mit einem besonderen USP machen kann. Weil Sie vielleicht gerade dadurch genau die Aufmerksamkeit bekommen, die man Ihnen als“ Herdentier“ bisher verwehrt hat. Und weil emotionale Unabhängigkeit und sich nicht mehr verstellen zu müssen,  Freiheit bedeutet, die wiederum zur Stressreduktion führt. Und Stress immer eine Einbuße von Lebensqualität bedeutet, von den gesundheitlichen Auswirkungen ganz zu schweigen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein halbwegs stressfreies Jahr 2018 und vielleicht etwas weniger Schein und mehr Sein. Und natürlich viel Erfolg beim Ein- und Ausparken… :-))

 

*Martina Lackner blickt als Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin hinter die Fassade von Menschen und Systemen.  Sie ist u.a. Buchautorin und Ratgeberin für Menschen, die besondere berufliche Herausforderungen zu bewältigen haben.