Was sind jetzt die Gründe für das Scheitern unserer MANNSCHAFT? Die sich bei ihrem blamablen Auftritt bei der WM in Russland eben nicht als eine mutige, entschlossene, unbekümmerte und einheitliche Mannschaft präsentierte. Sondern eben als eine Ansammlung von elf Spielern, die sich zufällig gerade für ein Fußballspiel gefunden hatten.

Aber wenn wir ehrlich sind, hat sich dieses Ausscheiden schon in den letzten Monaten abgezeichnet und war eine Ansammlung von vielen, kleinen Puzzle-Teilchen. Die am Ende dann leider ein schlechtes Bild ergaben, welches zu Recht nicht mit Höchstpreisen bewertet werden kann.

1) Fehlende Qualität
Keine Mannschaft aus der 1. Bundesliga war in der letzten Saison international erfolgreich. Das blamable Ausscheiden der Dortmunder gegen Salzburg in der Europa-League war der negative Höhepunkt. Kein deutscher Spieler ist mehr Weltklasse, schon mit internationaler Qualität wird es schwierig. Manuel Neuer und J. Kimmich nehme ich davon aus. Einen Stürmer mit Weltklasse-Format suchen wir seit dem Abschied von M. Klose vergeblich und werden diesen auch auf Jahre hinaus nicht mehr finden. Jetzt rächt sich die falsche Jugendarbeit, bei der hauptsächlich nur noch auf Taktik und direktes Pass-Spiel Wert gelegt wird. 1:1-Situationen werden anscheinend schon in der Jugend nicht mehr trainiert, oder scheinen nicht mehr wichtig. Wobei genau dies die Situationen sind, in denen sich Spiele entscheiden. Und nicht Ballbesitz über „128 Stationen“ und mit 70:30 im Vergleich zum Gegner.

2) Überheblichkeit
Nach der (zu) einfachen Qualifikation für das WM-Turnier dachten alle, das läuft von ganz alleine. Der Sieg beim Confed-Cup im letzten Jahr tat sein übriges, wo man mit einer vermeintlichen B-Mannschaft die Mexikaner im Halbfinale mit 4:1 nach Hause schickte und gegen knochenharte Chilenen das Endspiel gewann. Und beim Eröffnungsspiel der WM gegen diese Mexikaner wurde auf M. Reus verzichtet, um diesen angeblich für die „schweren Spiele zu schonen“.

3) Sorglosigkeit (siehe Überheblichkeit)
Schwache Vorbereitungsspiele (Niederlagen gegen Brasilien und sogar gegen Österreich, ein mühsamer Sieg gegen Saudi Arabien) wurden anscheinend schnell ad acta gelegt und daraus nicht die richtigen Schlüsse gezogen.

4) Falsche Kaderzusammenstellung
Erfahrene (möglicherweise überspielte und satte?) Weltmeister wie Khedira, Özil, Hummels, Kroos, Boateng und vor allem T. Müller! sollten das Gerüst einer neuen Mannschaft bilden. Waren aber (siehe fehlende Qualität) dazu nicht mehr in der Lage. Freche, unberechenbare Spieler (Sane!) wurden entweder zu Hause gelassen oder bekamen nicht ihre Chance (Brandt!)

5) Kein Konzept und keine Taktik erkennbar
Welche Taktik hatte Jogi Löw eigentlich?  Aggressives Offensiv-Pressing, auf Konter lauern, Tiki-Taka, oder „Manni Flanke, ich Kopfball, Tor“ a lá Manni Kaltz und Horst Hrubesch? Wenn ich schon einen verkappten Rechtsaussen wie J. Kimmich im Team habe, dann brauche ich in der Mitte „Brecher“. Und nehme die entweder mit (Sandro Wagner!), oder stelle mein System darauf ab (Mario Gomez von Anfang an). Nichts von alledem war zu erkennen, es war irgendwie wie weiland bei Franz Beckenbauer: „Gehts raus und spuits Fuaßboi“!

6) Leidenschaft
geht anders. Nicht nur wenn ich an Bastian Kampf-Schweinsteiger denke…

7) Selber schuld
Die unselige Özil- Gündogan-Affäre wurde dramatisch unterschätzt und als großer „Rucksack“ mit ins Turnier geschleppt. Vielleicht auch, weil „zufälligerweise“ Jogi Löw den gleichen Berater hat, wie diese beiden Spieler

8) Aufenthalt in einer Sportschule
Es war eben nicht Campo Bahia sondern irgendein Hotel am A… der Welt, zwischen Plattenbauten wie in Berlin-Marzahn. Eine Unterkunft und eine Atmosphäre, in der es ich keine zwei Tage ausgehalten hätte. Natürlich sollen Spieler Fußball spielen und nicht am Strand in der Sonne liegen. Aber den vermuteten Lagerkoller haben nicht nur Franz Beckenbauer oder Sepp Maier schon 1974 in der Sportschule Malente über sich ergehen lassen müssen. Wobei zwischenzeitlich mehr als 40 Jahre ins Land gegangen sind. Menschen, egal, ob auf dem Platz, oder im Büro, müssen sich in ihrer Arbeitsumgebung wohlfühlen, das Betriebsklima muss stimmen, schon beim Aufstehen sollte man sich auf den kommenden Arbeitstag freuen können. Begründung von O. Bierhoff zu seiner Quartierwahl: Wir wollten die Reisestrapazen vor allem vom Achtel- bis zum Finale klein halten….

9) Jogi Löw: Diesmal kein Glückskind
Gelang ihm vor vier Jahren alles (Einwechslungen von Schürrle und Götze im WM-Endspiel, kluge Taktik mit der „falschen Neun“…), wirkte er bei diesem Turnier von Anfang an vollkommen verunsichert. Wirbelte bei jedem Spiel die komplette Mannschaft durcheinander und führte damit zu noch mehr Verunsicherung.

10) Wie kann es weiter gehen?
Andere Frage: Wie lange läuft eigentlich der Vertrag von Jürgen Klopp beim FC Liverpool? Oder: Warum nicht Stefan Kuntz als aktuellem Coach der U21-Nationalmannschaft die Verantwortung für einen kompletten Neuaufbau übertragen?

11) Zum Schluss: Einfach den Rat von Pele befolgen
„Erfolg ist kein Zufall! Er kommt zu uns durch harte Arbeit, Ausdauer, Lernen, Aufopferung und vor allem Liebe zu dem, was wir tun, oder lernen“. Und dies nicht nur auf dem Platz…