Wahn-Sinnig-Intelligent im wahrsten Sinne des Wortes ist Alice Moustier*. Eine faszinierende junge Frau, die ich vor ein paar Monaten zufällig auf einer Veranstaltung getroffen hatte. Als sie darüber referierte, wie man Hochbegabte erkennt und wie man mit diesen nicht immer einfachen Menschen umgeht, um ihr komplettes, überragendes Potential richtig zu nutzen. Und da mich Alice und ihr Thema so begeisterte, habe ich sie ganz einfach zu ihren Erfahrungen in ihrer Selbstständigkeit gefragt.

1. Wie war Dein Leben vor der Selbständigkeit?
Aufregend, aber noch ohne klares Ziel für meine Zukunft. Ich wusste nur, was ich NICHT machen wollte, jedoch noch nicht, WAS ich machen wollte.

2. Was war Deine Motivation, Dich selbständig zu machen?
Die Erfahrung als Lehrerin an einer Hochbegabten-Schule, und dort nirgends Fortbildungen zu diesem Thema zu finden. Und die Schwierigkeit, den leistungsverweigernden Schülern und Schülerinnen, ohne jegliche Lernmotivation, wieder neue Freude am Lernen zu vermitteln. Durch autodidaktische Weiterbildung zu diesem Thema erkannte ich die eigene Betroffenheit und die möglichen Folgen der Nicht-Förderung. Dadurch wuchs meine Motivation, selbst in die Erwachsenenbildung zu gehen und solche Fortbildungen anzubieten.

3. Auf was müssen Deiner Meinung nach Selbständige verzichten können?
Auf sehr vieles! Wenn du deine Träume leben möchtest, musst du bereit sein, auf jeglichen Luxus zu verzichten! Erst wenn du bereit bist, ohne Wasser durch die Wüste zu gehen, kann dich nichts mehr davon abhalten erfolgreich zu werden.

4. Was geniesst Du bei Deiner Selbständigkeit am meisten?
Die freie Wahl des Arbeitsortes. Am liebsten arbeite ich am Strand oder in der
Hotellounge. Ich genieße den Humor meiner Teilnehmer/innen, ihre Offenheit über ihre Probleme zu reden und die Ehre, mir so viel Vertrauen zu schenken.
Außerdem genieße ich es, Einblicke in die verschiedensten Berufsgruppen zu
erhalten und dadurch mit Themen in Berührung zu kommen, die ständig meinen Horizont erweitern. Vom Bankenwesen über die Baubranche, bis hin zu
Naturwissenschaften.

5. Welche Fehler hast Du am Anfang gemacht, aus welchen hast Du das
meiste gelernt?

Wenn ich daraus gelernt habe, ist es kein Fehler! Ich habe sicherlich Wege
eingeschlagen, in denen ich nicht weiterkam, aber ich bezeichne dies ungern als
Fehler. Denn Fehler heißt, dass es falsch ist, dass ich es bereue, dass ich etwas
falsch gemacht habe. Sich selbstständig machen bedeutet immer, ins kalte Wasser zu springen und in die Unsicherheit schwimmen, alles ist voll mit Gefahren, wie in einem Minenfeld. Es ist wichtig, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen und ständig gute Tipps von älteren, erfahrenen Personen einzuholen. Denn dann brauch ich nicht noch mal die gleichen Sackgassen wählen, die andere schon begangen haben.

6.Was sind aus Deiner Sicht die wichtigsten Punkte, um am Markt erfolgreich
zu sein?
Niemals aufgeben und immer offen sein für neue Möglichkeiten des Marketings. Es ist wichtig, die sehr dünne Grenzlinie zu erspüren zwischen „hat keinen Sinn, wird keine Nachfrage erhalten“ und „der Bedarf ist noch nicht geweckt, Sinn wurde noch nicht erkannt.“ Denn manchmal ist es sinnvoll, weiter durchzuhalten, manchmal ist es aber auch sinnvoll, alte, erfolglose Strategien aufzugeben und sich auf neue Ideen einzulassen.

7.Stimmt das geflügelte Wort von Selbst und Ständig, wie strukturierst Du
Deine Arbeitstage?
Klar, besonders am Anfang! Es ist noch kein Geld da, um weitere Leute einzustellen, aber viel zu viel Arbeit vorhanden, um es alleine zu schaffen. Für die eigene Gesundheit ist es da ganz wichtig, sich feste Ruhezeiten vorzunehmen und Hobbys konsequent durchzuführen, die einen psychisch und physisch entlasten. Ich gehe morgens eine Stunde joggen, im See schwimmen oder tanze, dann kann die Arbeit beginnen. Häufig wechsle ich zwischendurch den Arbeitsplatz, mal gehe ich in ein Café, mal in die Hotellounge, mal an den Strand, um mit meinem Computer zu arbeiten. Das Coaching führe ich häufig in der Natur durch, besonders am Strand ist es sehr entspannend.

8.Welche Erlebnisse haben Dich in Deiner Entscheidung bestätigt, Deine
eigene Chefin zu sein?
Ich fühle mich in der Gruppe der Unternehmer/innen sehr wohl. Ich habe gesehen, dass ich dort am richtigen Platz bin, denn so kann ich meine eigenen kreativen Ideen umsetzen und habe häufig mit ebenfalls kreativen, über den Tellerrand hinausblickenden Menschen zu tun.

9.Würdest Du diesen Schritt noch einmal machen?

Ja, auf jeden Fall! Es gibt einfach keine andere Möglichkeit für mich. Ein Freund
fragte mich letztens, was meine Alternative ist, wenn meine Geschäftsidee nicht funktioniert. Ich sagte, es gibt keine Alternative. Das von mir gewählte Thema zur Begleitung von Hochsensiblen und Hochbegabten hat mich mein Leben lang begleitet und hat mir selbst viele Schwierigkeiten und Komplikationen bereitet, ohne dass ich dafür die Gründe kannte. Und ohne dass ich jemand an meiner Seite hatte, der mich zur Bewältigung dieser Situation mit fachlichem Rat begleitete und mich unterstützte. Ich habe schwer darunter gelitten und nur mit meiner jetzt gewählten Dienstleistung erhält mein damaliges Leiden einen Sinn. Deshalb gibt es für mich nichts anderes. Für alles andere lohnt es sich für mich nicht, weiter zu leben!

10.An was arbeitest Du gerade, was sind Deine nächsten Pläne?
Ich arbeite an drei Büchern gleichzeitig über meine bisherige Arbeit und
Existenzgründung. Komme aber kaum dazu, sie fertig zu schreiben. Ich
bräuchte mindestens drei Mal so viel Zeit pro Woche. Meine nächsten Pläne sind Urlaub im August und eventuell komme ich dann dazu, weiter zu schreiben.

11.Was ist Dein abschliessender Rat an alle, die sich Selbständig machen
wollen?

Fühle in dich hinein, ob du wirklich bereit bist, alles dafür aufzugeben. Frage dich, bis wohin du gehen würdest für die Selbstständigkeit. Wenn dein Herz nur halb Ja sagt zu allem, dann lass es besser gleich sein! Spürst du aber, dass dein Herz voll und ganz ja sagt zu allem, dann trau dich und spring ins kalte Wasser!

 

*Alice Moustier arbeitet im Burnout-Präventionssektor und in der Personalförderung. Als Querdenker-Gärtnerin „gießt“ sie diese Querdenker damit sie besser wachsen, blühen und gedeihen können. Sie setzt sich ein für einen nachhaltigeren Umgang mit hochsensiblen und hochbegabten Menschen und für mehr Selbstliebe durch Körperseminare.