Wenn ich an typische Erfolgsmenschen denke, fallen mir sofort Christian Lindner oder Heidi Klum ein. Wie man solche Menschen erkennt und wie man mit diesen am besten umgeht, beschreibt im nachfolgenden Gast-Beitrag Mira Christine Mühlenhof*. Die sich beruflich intensiv mit unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen beschäftigt und deren „Intrinsische Motivation“ erkundet und offenlegt.

„Das Vorstellungsgespräch mit Herrn O. war wirklich bemerkenswert, schon der erste Eindruck hat begeistert: Jung, dynamisch, sportlich, gut gekleidet, höflich-charmant. Schnell war klar: Das hier wäre ein leistungsstarker und erfolgreicher Mitarbeiter, der weiß was er will und was er kann. Als Führungskraft können Sie sich glücklich schätzen, solch einen Mitarbeiter für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Allerdings waren da auch dieses leicht überhebliche Gebaren, das aufgesetzt wirkende Siegerlächeln und dieser Habitus eines Menschen, der komplett von sich selbst überzeugt zu sein scheint. Das könnte bei den Kollegen unter Umständen nicht ganz so gut ankommen. Manche von ihnen werden sich vielleicht überrumpelt und an die Wand gedrückt vorkommen. Und diese Einschätzung ist berechtigt: Menschen, die von Erfolg angetrieben sind, geizen nicht damit, ihre Großartigkeit zu zeigen und mit ihr anzugeben. Sie wirken, als hätten sie den Erfolg der ganzen Welt für sich gepachtet und das mit Leichtigkeit. Doch bei genauerem Hinschauen sagt man sich: „Da ist doch was faul“. Mit der Zeit kommen Erfolgsmenschen nämlich ziemlich unecht rüber.

Die Kollegen wird das anstrengen, das ist keine gute Basis für Teamarbeit und ein ausgewogenes Miteinander. Ein möglicher Verlauf des Miteinanders könnte sein: Die Kollegen werden missmutig, eifersüchtig und treten eventuell in einen Konkurrenzkampf ein, der zum Nebenschauplatz wird und den kaum jemand gewinnen kann.

Soweit ein mögliches Szenario für das Arbeitsleben eines Charakters mit dem Muster Erfolg. Wir haben es hier mit einem Archetypus zu tun, den wir aus vielen Geschichten und Promiblättern kennen: John F. Kennedy, Heidi Klum, Barack Obama. Was sie verbindet? Eine große Portion Charme. Um einen Erfolgsmenschen zu verstehen, müssen wir die Wirkung seines unbewussten Antriebs betrachten. Dieses Muster, das in der Persönlichkeitslehre des Enneagramms als Muster DREI beschrieben wird, wird angetrieben von der intrinsischen Motivation (=innerer Antrieb) Erfolg. Der Mensch ist auf dieses Produkt seiner Maschine fixiert. Und agiert eben ganz anders als z.B. ein Harmoniesüchtiger Mensch, ein Perfektionist, ein Machtmensch, ein Sicherheitsbedürftiger Mensch, ein Individualist, ein Liebesbedürftiger, ein Spassvogel, oder ein Wissensbegieriger.

Wie wirkt nun die „Maschine“ Erfolg auf Sie? Was können Sie heraus lesen? Wie könnte ein Mensch sein, der eine solche Maschine in sich trägt? Einige Assoziationen dazu:

Die „Maschine“ Erfolg:
– wirkt dynamisch und erfolgreich
– geht stets mit einem (überheblichen) Augenzwinkern und großspurigen Zahnpasta-Lächeln durchs Leben
– was kostet die Welt – alles ist möglich
– produziert Dollarnoten, also Geld/Erfolg

Weitere Assoziationen:
– es mangelt an Ernsthaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Authentizität
– mein Haus, mein Boot, mein Schiff, mein Auto, tolle Hotels
– Workaholic, Gelddruckmaschine
– mit Sicherheit kein Einzelgänger
– man weiß nicht, wie er wirklich ist
– eitel, etwas affektiert, will gesehen werden

Menschen dieses Musters wirken äußerst charmant und offen. Ihr Lachen wirkt ebenfalls charmant, oft aber auch aufgesetzt. Sie sind zielstrebig und entschlossen und besitzen durchaus das, was man als Charisma oder schillernde Persönlichkeit bezeichnet. Damit machen sie Eindruck auf Menschen. Andere hingegen fühlen sich vielleicht eingeschüchtert. Erfolgsmenschen reden unglaublich viel und sind völlig überzeugt von dem, was sie sagen. Genau diese Eigenschaft setzen sie im Job ein, darum gibt es so viele „DREIer“, die Verkäufer sind. Darin sind sie einfach überzeugend: etwas zu verkaufen. Schließlich tun sie die ganze Zeit nichts anderes, als sich selbst zu verkaufen. Menschen dieses Musters können sogar Eskimos Kühlschränke verkaufen. Von sich selbst zeigen sie eher wenig. Andere sehen nur ihre perfekte Fassade, eine aufgesetzte Maske, die stets happy und zufrieden wirkt. Kaum jemand weiß, wie es dahinter aussieht. Wie auch? „DREIer“ zeigen ein vollkommenes Poker-Face.

Was ist für diese Menschen noch charakteristisch?
Anspruch: „DREIer“ brauchen Erfolg. Sie definieren sich über ihre Leistungen bzw. über den Erfolg ihrer Leistungen. Misserfolg muss unter allen Umständen vermieden werden. Es geht ihnen zwar hauptsächlich um beruflichen Erfolg, aber auch gesellschaftlich und im Privatleben möchten sie gut ankommen. Ist das eine Projekt erfolgreich beendet, gibt es für die „DREI“ nichts Schlimmeres als dass der Chef sagt: „So, jetzt haben Sie sich mal eine Auszeit verdient!“ Das käme fast einer Strafe gleich, denn als Belohnung zählt eigentlich nur, direkt das nächste großartige Projekt zu bekommen, um dieses natürlich ebenso erfolgreich abzuschließen. Eine „DREI“ fragt sich jeden Tag aufs Neue: „Wie komme ich an?“, „Wie komme ich noch besser an?“, „Was muss ich tun, um noch besser anzukommen?“ Für sie ist das Leben eine große Show, alles dreht sich um das Image. Wir alle kennen den Pfau, einer der schillerndsten Vertreter der Tierwelt. Der Pfau liebt es ebenfalls, sich zu präsentieren. Mit seiner Show will er ebenso beeindrucken und Bewunderung auslösen wie die DREI, deswegen zieht es sie ebenfalls auf die Bühne. Sie brauchen den Applaus. Darum reden sie gern über das, was sie tun und zeigen ihren Erfolg. „Schau mal, was ich alles kann! Schau mal, wie gut ich bin!“ Dabei setzen sie auch ihr Talent ein, ihre Mitmenschen mit Sprache zu umwerben, zu begeistern und (für sich) zu motivieren.

– Körpersprache: Die meisten Erfolgsmenschen sind attraktiv, oft waren sie schon im Kindesalter gutaussehend. Sie wirken optimistisch, jugendlich, dynamisch und produktiv. Dazu muss natürlich auch die Figur passen, Erfolgsmenschen sind meistens schlank, sehr sportlich und aktiv. Auch hier können wir den Pfau bemühen: Er stolziert. Auch Menschen, die mit dem Erfolgs-Muster unterwegs sind, bewegen sich so. Äußerst charmant bieten sie alles auf, was in ihrem reichhaltigen Beeindruckungs-Repertoire vorhanden ist. Durch ihre auffällige und durchaus angenehme Sprachmelodie erzeugen sie Aufmerksamkeit. Sie haben eine rege Gestik und Mimik. Zur Unterstützung werden auch gerne mal die Hände benutzt („mit den Händen reden“).

– Wohnung und Umgebung: Ihr Zuhause gestaltet die „DREI“ auf jeden Fall standesgemäß, sie zeigt, was sie hat und will damit demonstrieren, was sie schon alles erreicht hat („Mein Haus, mein Boot, mein Pferd“). Ihre Gäste sollen beeindruckt sein. Wie auch bei der Kleidung legt sie auch beim Wohnen Wert auf Stil und kauft gerne Dinge, die gerade „in“ sind. Sich an Trends zu orientieren hilft zu überspielen, dass sie nicht unbedingt einen eigenen Geschmack hat.

– Umgang im Miteinander: Erfolgsmenschen sind gute Kontakter und pflegen Beziehungen. Aber nicht um der Freundschaft willen, sondern weil diese für ihren Erfolg nützlich sind. Um die eigenen Ziele zu erreichen, sind sie auch gemeinsamen Aktivitäten gegenüber nicht abgeneigt, selbst wenn sie die Menschen, die sie da vor sich haben, gar nicht mögen. „DREIer“ verfügen meist über ein extrem großes Netzwerk, was aber auch dazu führt, dass sie permanent auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen (müssen). Es kann dann schon mal passieren, dass ein Mensch dieses Musters auf drei Einladungen nacheinander vorbeischaut, dabei aber Absprachen nicht einhält oder gleich ganz vergisst. Falls das passiert, kommt eine Ausrede gepaart mit grenzenlosem Charme zum Einsatz, damit der andere vergisst, warum er jemals sauer war. Auch vor (kleinen) Lügen scheut die „DREI“ nicht zurück.

Kommen wir zurück auf Herrn O. Wie können Sie ihm erklären, dass die Kollegen sein dauerndes Zahnpasta-Lächeln nicht mögen und es auch nicht klasse finden, dass er sich ständig in den Vordergrund drängelt? Dass sie ihn für einen Angeber halten und keine Lust auf Konkurrenz-Spielchen haben? Keine leichte Aufgabe, denn Sie müssen davon ausgehen, dass Herr O. sich selbst an diesem Punkt selten bis gar nicht hinterfragt hat. Er weiß nicht, dass dieses Muster in ihm aktiv ist. Für ihn ist seine innere Welt zumeist in Ordnung. Selbst wenn es manchmal kurz in ihm aufblitzen mag, dass vielleicht irgendetwas nicht ganz rund läuft (zum Beispiel weil die Kollegen ihn nicht informieren, dass sie nach Feierabend noch gemeinsam essen gehen), kann dies dem eigenen Verhalten nicht direkt zugeordnet werden.

So können Sie sich als Chef die Frage stellen: Wie gehe ich auf einen Menschen zu, bei dem ich das Gefühl habe, er ist im Muster Erfolg unterwegs, er macht sich und anderen damit das Leben schwer, hat aber keine Ahnung davon? Genau hier erinnern wir uns an den blinden Fleck: Sein Muster ist Herrn O. nicht bewusst. Deswegen erfordert es Fingerspitzengefühl, an diesen Menschen heranzutreten.

Was also können Sie als Führungskraft tun?

Vermitteln Sie diesem Mitarbeiter das Gefühl, dass er als Mensch an sich geschätzt wird. Dass auch andere ihn um seiner selbst willen mögen, nicht für das, was er leistet. Dieser Mensch muss erst lernen, seine wahren Gefühle und Bedürfnisse wieder wahrzunehmen. Er muss lernen, ehrlich zu sich selbst und anderen zu sein. Dieser Prozess ist gleichbedeutend damit, die Maske fallen zu lassen.
Mehr Führungsanleitungen für den Erfolgsmenschen finden Sie in meinem Buch (Kapitel 22.3) Chefsache Intrinsische Motivation.

Menschen mit dem Muster Erfolg können sich entwickeln, wenn
– sie nicht permanent auf mehreren Hochzeiten tanzen
– sie lernen, sich selbst zu lieben
– sie üben, sich um sich selbst zu kümmern und die eigenen Bedürfnisse anzuerkennen
– sie aufhören, ihr Leben auf Image und Prestige auszurichten und sich und anderen etwas vorzumachen
– sie anfangen, das zu tun, was sie lieben und was ihren Werten entspricht. Und wenn sie gleichzeitig aufhören, das zu tun, von dem sie glauben, dass es gut ankommt
– sie aufhören, sich und andere zu täuschen (sich etwas vorzumachen)
– sie stattdessen beginnen, ihre Energie auf ihre wahre Identität auszurichten.

Ich wünsche Ihnen beim Erkennen, Verstehen  und Umgehen mit Erfolgsmenschen auf jeden Fall viel Erfolg und hoffe, dass Ihnen dazu meine kleinen Tipps ein bisschen geholfen haben!

Mira Christine Mühlenhof“

 

*Wie sollen andere mich verstehen, wenn ich mich selbst nicht richtig kenne? – diese Frage ist der rote Faden im Leben von Mira Christine Mühlenhof und inspirierte sie dazu, die Kraft der intrinsischen Motivation zu erforschen. Gemeinsam mit ihrem Team berät sie als Coach und Trainerin kleine und mittelständische Unternehmen und Privatpersonen zu den Themen Veränderung, Entwicklung, Kundenbeziehungen und nachhaltiger Motivation. Gerade ist ihr Buch „Chefsache Intrinsische Motivation“ erschienen, in dem sie aufzeigt, welche intrinsischen Motivationen es gibt und wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter damit erreichen können.