An der „Wahrheit“ sind wir doch alle interessiert, gerade in Zeiten, in denen wir mit Fake News und Lügen nur so bombardiert werden. Und unsere Zukunft retten, das wollen wir doch auch, oder?

Weil dem (hoffentlich) so ist, habe ich mich sehr gefreut, dass ich diesmal als Gastbeitrag von Joachim Beyer-Wagenbach* nicht nur seine Gedanken zu diesem Thema veröffentlichen darf, sondern auch seine spannende Rezension des entsprechenden Buches von Sven Böttcher und Mathias Bröckers (Westendverlag; 2. Auflage 2016).

„Reißerischer Titel und gruseliges Titelbild – so mein erster Eindruck, als ich das 335-Seiten starke Werk in Händen halte. Dann ein erhellend-hilfreicher Moment: der erste Klappentext: „Kompliziert war gestern: Ab heute gilt die Parole KLARHEIT“. Der Kompaktaugenöffner für alles, was auf den ersten Blick heillos und „alternativlos“ erscheint – und auf den konzentrierten zweiten Blick, nach Abzug von Lügen, Nebelkerzen und Manipulation, schlicht und ergreifend als leicht zu durchschauen und problemlos reparierbar.

Aha – steile Aussage, denke ich, dann mal los, um möglichst schnell eine Antwort auf diese Frage zu finden: können die beiden Autoren tatsächlich halten, was sie da versprechen?

Vorweg: es war emotional und auch von der umfassenden, klaren, unbestechlich-tiefen und nahezu gnadenlosen Beschreibung her eines der härtesten „Lese-Stoffe“ der letzten 30 Jahre für mich! Wenn ich auch nur an einigen wenigen, mich besonders intensiv betreffenden Stellen der einzelnen (sehr übersichtlichen) Kapitel nicht nur aktiv weiter denke, sondern auch konsequent und folgerichtig handele, dann habe ich für die nächsten 30 Jahre ausreichend zu tun. Okay, das wäre dann 2049 und dann wäre ich Ende 80, so alt, wie mein Vater heute – das passt! (Zusatz-Hinweis: es lohnt sich sehr, unter dem Stichwort „WASSER“ im Buch nachzulesen, was dort zum Jahr 2050 steht!) UND ich hätte mich für die Zukunft meiner Enkel und ihrer Artgenossen aktiv-konstruktiv eingesetzt.

EIN winziger Schritt in diese Richtung ist diese „Rezension“ bzw. Info zum Buch, damit möglichst viele Menschen davon etwas mitbekommen, was sich so ab-spielt auf unserem „Raumschiff Erde“ und welche „Spiel-Regeln“ darin- bzw. sich dahinter buchstäblich verstecken. Und genau davon handelt das komplette Werk: Die (meist verdeckten oder auch umbenannten) Spielregeln, nach denen unser menschliches Planeten-System umfunktioniert wurde und ihre perfide Logik, mit der die meisten Bewohner zum „Mitspielen“ gebracht werden. Und damit lösen die beiden Autoren auch schon gleich ihr erstes Versprechen ein (leicht durchschaubar!)

Doch jetzt erst einmal zur Struktur des Buches: Auf 275 Seiten geht es von A = Arbeit bis Z = Zukunft immer nach derselben Grundstruktur thematisch und sehr aufklärerisch und ohne jede Beschönigung durch die insgesamt 72 Begriffe:

1. Was gemeint war
2. Was wir (die Generation von 1945 – 2000) daraus gemacht haben
3. Was Ihr (die Generationen ab 2001) daraus machen werdet

Die „Anmerkungen“ bestehen aus stolzen 59 klein gedruckten Seiten mit Quellen-Angaben, Recherche-Hinweisen, Dokumentationen, Studien zu den einzelnen Kapiteln, sowie massig viele Tipps zum Weiterlesen und Weitersehen (Literatur und Dokumentationen). Umfassend recherchiert und nachprüfbar belegt, woher die einzelnen Gedanken, Informationen, Behauptungen und teils hanebüchenen Sachverhalte (dies findet man dann jeweils logischerweise unter der Fragestellung: „Was wir daraus gemacht haben“) stammen.

Was mich daran so fasziniert:

  • Die handlichen und überschaubaren „Portionen“, in die das Buch unterteilt ist. Das macht die dramatische Sprengkraft zwar nicht weniger explosiv und belastend, aber für mich leichter les- und verdaubar.
  • Der Schreibstil: trotz der großen Brisanz und Dramatik des Inhalts gelingt es den Autoren, einen gut lesbaren, von lediglich leichter bis mittelschwerer Ironie durchzogenen, Text zu Buch zu bringen – Kompliment. Ich kann vermutlich nur im Ansatz erahnen, wie schwer diese Aufgabe war und wie viele interne Diskussionen es zu einzelnen Formulierungen gab, wenn ich an die Größe dieser Herkules-Aufgabe denke, der sie sich verschrieben haben!!!
  • Sehr präzise Konzentration auf das jeweilige Haupt-Thema und dabei gleichzeitig immer wieder passende und wertvolle Querverweise, wo sich Themenfelder berühren, gegenseitig beeinflussen und bedingen und teils auch überschneiden. Und das alles (und das finde ich besonders phänomenal, weil besonders einladend und in jeder politischen Debatte zu beobachten): Keinerlei Schuld-Zuweisungen an einzelne Personen oder Parteien!
  • Eine unglaubliche Tiefe und Dichte der behandelten Themen, die den sich durchziehenden „roten Faden“ immer wieder stimmig ins Gesamtwerk „einwebt“. Und v.a. auch immer wieder sehr deutlich macht, was tatsächlich erforderlich ist/wäre, um eine wegweisende und echte Veränderung (nämlich eine für alle Menschen lebbare ZUKUNFT) zu erreichen.
  • Die komplett sich durchziehende und immer wieder aufscheinende glaubwürdige Stimmigkeit und der große innere Antrieb, den die beiden Autoren für ein solches Werk in sich haben müssen (für das sie sicherlich nur von wenigen „offiziellen Stellen“ Anerkennung und Dank erhalten haben). Für mich trifft es vor allem ein Wort: es ist ihr brennendes HERZENS-Anliegen. Und damit bleiben sie auch ihrem eigenen Grundsatz treu: Veränderung ist machbar – denn diese Inhalte machen tatsächlich einen echten Unterschied zu sonstigen Herangehensweisen klassischer „Weltverbesserer“!

Exemplarisch führe ich anhand einiger ausgewählter Beispiele aus, was mich seit der Lektüre besonders intensiv beschäftigt und sicherlich auch nicht mehr loslassen wird:

BANKEN: Zitat von Thomas Jefferson (US-Präsident von 1801 – 1809): „Wenn die Amerikaner je zulassen, dass die Banken ihre Währung ausgeben, dann werden sie den Menschen ihr gesamtes Eigentum rauben“. Für mich tatsächlich neue Sichtweisen (die sehr gut belegt werden): Banken „erschaffen Geld“ und halten diese Tatsache weitestgehend im Nebel. (…) Das macht deutlich, warum die „Finanzmärkte“ innerhalb der letzten Jahrzehnte zu einer Weltmacht aufgestiegen sind, gegen die kaum eine Regierung noch irgendetwas bestellen kann: Wer mit solchen „Luftnummern“ unendlich viel Geld erschaffen kann, wird einfach unermesslich reich. Und da nahezu das gesamte Banken-Wesen inzwischen privatisiert ist, muss sogar der Staat sich für hohe Zinsen das Geld leihen, das er braucht, um dann (z.B. bei einer Banken-Krise) allerdings dennoch die Haftung und Bezahlung der von der Bank versemmelten, verspekulierten Gelder zu übernehmen….. – unglaublich? Nicht denkbar? Bitte einfach selber nachlesen, auf Stimmigkeit und Plausibilität prüfen und für sich selber nach- sowie Schlussfolgerungen vollziehen!!

BIP : Zitat von Robert Kennedy (1968): „Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) misst weder unseren Verstand noch unseren Mut, weder unsere Weisheit noch unser Mitgefühl (…). Es misst, kurz gesagt, alles außer dem, was das Leben lebenswert macht.“
Das das BIP (lediglich) das misst, was innerhalb eines Jahres an Waren und Dienstleistungen erzeugt wird, scheinen wir komplett vergessen zu haben, wenn man die große Freude der entsprechenden Stellen hört, wenn mal wieder von einer Steigerung des BIP die Rede ist und das gleichgesetzt wird, dass es „uns“ gut geht. Dabei kann es als Maßstab für gesellschaftlichen Wohlstand und Lebensqualität ausdrücklich NICHT dienen (und war an sich auch nie so gedacht). An dieser Stelle nur ein – zugegeben brutales – Beispiel: Jeder Unfall, jede Katastrophe führt zu einer Steigerung des BIP – die Perversität dessen, was gemessen wird und was daraus gemacht wurde (nämlich Indikator für Wohlstand), kann sich jede/r Lesende selbst herleiten.

GELD (und SCHULDEN) – siehe auch bei Banken. GELD ist vor allem deshalb eine so gute (Ursprungs-) Idee, weil es fast nichts kostet – das Geld hat keinen eigenen, „intrinsischen“ Wert. Wertvoll wird es erst durch das Vertrauen seiner Benutzer, dass es von anderen als Tauschmittel akzeptiert wird. (..) es handelt sich um geprägtes, gedrucktes oder auch digitalisiertes Vertrauen in die Zukunft. Die Märkte aller Zeiten entstanden, weil die Bauern einen Teil ihrer Steuern nun in Münzen entrichten mussten und deshalb gezwungen waren, ihre Produkte zu verkaufen – und zwar an jene, die als die ersten Lohnarbeiter für ihre Dienste mit Geld bezahlt wurden: Soldaten. Geld schuf einst die Märkte – und nicht umgekehrt – und Geld wurde geschaffen, um besser Krieg führen zu können.

(…) Nur etwa 10% des weltweit in Scheinen oder als digitale Buchung existierenden Geldes sind Zentralbankgeld, über 90% ist Kreditgeld, das die Geschäftsbanken aus dem Nichts erschaffen, wenn sie einen Kredit vergeben. Anmerkung: es lohnt sich aus mindestens 2 Gründen im Originaltext weiter zu lesen: einerseits, um weitere Mythen kennen zu lernen, z.B. den, dass Sparer ihr Geld zur Bank tragen, die wiederum diese Einlagen an die Kreditnehmer weiterreichen. (ich habe das bis vor kurzem auch geglaubt). Andererseits, um die Lösung für die Zukunft kennen zu lernen.

KONSUMISMUS – nach Thorstein Veblen ist die „Ursprungs“-Definition: Geltungskonsum, d.h. über die Primärbedürfnisse hinausgehender Konsum, der allein der Steigerung des sozialen Prestiges dient. Was haben wir daraus gemacht: eine konkurrenzlose Weltreligion, ungeheuer attraktiv, da sie nur ein einziges Gebot kennt: KAUF! (plus das Zusatzgebot für die Anbieter: Produziere!)

MARKTWIRTSCHAFT, freie – nur wenige Mythen halten sich so hartnäckig wie das Bei-Wort „freie“: Markt und Macht gehören in jeder Hinsicht zusammen, und weder im 18. Jahrhundert (Anm.: dort entstand die Theorie von Adam Smith zur freien Marktwirtschaft) noch jemals danach, existierte eine freie Marktwirtschaft, die ohne Regulierung, ohne Leitplanken, ohne wirksamen Kontrollen und Sanktionen ausgekommen wäre. Fehlten solche über reinen Eigentumsschutz hinausgehenden Regulierungen, war es mit dem angeblichen „Wohle aller“ sehr schnell zu Ende.

MEDIKAMENTE: was war damit gemeint? „medicamentum“ = „das Heilmittel“, das die Heilung und Verhütung von Krankheiten bewirken soll. (…) Da Gesundheit ein Grundbedürfnis des Menschen ist und die Hilfe wie Nächstenliebe kein Wirtschaftsgut, war ganz und gar nicht gemeint, dass irgendjemand sich an diesen Heilmitteln bereichern solle oder überhaupt können dürfe. (Hier sei der Querverweis auf ein weiteres Buch von Sven Böttcher gestattet: „Rette sich wer kann“)
Was haben wir daraus gemacht: Ein tödliches Eine-Billion-Dollar-Geschäft – die Pharmaindustrie….. auch hier lohnt sich weiterlesen v.a. für hart gesottene Leser, die wirklich am „Blick dahinter“ und nicht nur an den erschreckenden Zusammenhängen, sondern v.a. auch an der (eigenen) Gesundheit interessiert sind!

An dieser Stelle zügle ich mich einfach, auch wenn´s schwer fällt. Denn es gibt noch so viele spannende, wahrhaft erhellende und interessante Zusammenhänge zu entdecken, u.a. zu folgenden Themen:

Bücher, Eigentum, Erderwärmung, Kapitalismus, Krieg, Landwirtschaft, Lebensmittel, Nationen & Nationalismus, Staat, Steuern und Steuer-Oasen, Terrorismus, USA (Achtung: selbst hier keine Schuldzuweisungen – beachtlich!), Verschwörungstheorien, Wachstum, Wettbewerb…..uvm…

Meine Bitte an die LeserInnen meiner Ausführungen: glaubt mir kein Wort! und lest das Buch selbst (auch auszugsweise nach Interesse!!) und dann so schnell und so oft wie möglich weiter geben.

Abschließen möchte ich meine Gedanken mit dem Eingangs-Zitat (von „Die Ärzte“ – Farin Urlaub) aus dem von mir vorgestellten Buch:

Glaub keinem, der dir sagt, dass du nichts verändern kannst.
Die das behaupten, haben nur vor Veränderungen Angst.
Es sind dieselben, die erklären, e sei gut so, wie es ist.
Und wenn du etwas ändern willst, dann bist du automatisch Terrorist.
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist,
es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist,
es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.
Weil jeder, der die Welt nicht ändern will,
ihr Todesurteil unterschreibt.“

*Joachim Beyer-Wagenbach (JBW): „Erschütterter, bislang un-bewusster, Mit-Beteiligter am Zustandekommen der im Buch beschriebenen Themen, Inhalten und deren Auswirkungen, sowie offener und veränderungsbereiter Mensch. Außerdem Vater von 4 erwachsenen Kindern, deren Kinder und Kindeskinder in einer von ihnen selbst veränderten – wieder etwas lebbarer gewordenen – Welt leben können sollen, bzw. die Wahl haben.“
JBW arbeitet als „Coach für Stimmigkeit“ und Wirkung und lebt zur Zeit (wieder) in Karlsruhe.